RIVER BLUES BAND

Album „Heart Life“

Wie und wo kann man das Album bekommen und hören?
Einfach bestellen hier bei Amazon
oder auf den einschlägigen Online-Plattformen (Spotify, Apple Music & Co.):
HIER KLICKEN


Wie alles begann

Es ist Sommer 1973. In der DDR-Hauptstadt feiert man mit großem Aufwand und viel Kultur die 10. Weltfestspiele der Jugend und Studenten. Ein Zwölfjähriger aus Werder setzt sich in den Vorortzug und erlebt live auf der Bühne an den Berliner Rathauspassagen die „Klaus Renft Combo“. Spielfreude, Druck aus den Boxen und glasklare Texte. Nun ist Detlef Gottschling klar: Eine Gitarre muss her. Selbst die Hürde langweiliger Gitarrenstunden mit Tonleitern und Volksweisen ist nicht zu hoch. Fünf Jahre später – die „Klaus Renft Combo“ hat wegen kritischer Texte seit dem Jahr 1972 Spielverbot – ist der Junge nun Lehrling in einem Produktionsbetrieb in Nauen. An langen Abenden übt er jetzt E-Bassgitarre als Mitglied der Band „0815“. Procol Harum, CCR, Rolling Stones – das Repertoire wächst.

Alles für die Jolana
Szenenwechsel: In Babelsberg versucht sich ein anderer Zwölfjähriger auf einer klassischen Konzertgitarre, hängt am Radio und hört sich die Riffs der angesagten Bands heraus. Doch auf der Musikschule will man ihn nicht haben. Michael Schupke übt trotzdem weiter, wird sogar aus der Nachbarschaft als Gitarrenlehrer angefragt. Die Geldgeschenke zur Jugendweihe gehen vollständig für eine tschechische „Jolana“-E-Gitarre – angelehnt an die amerikanische Fender-Stratocaster – drauf. Den Ton liefert ein altes Röhrenradio, und mit „Exit“ hebt der inzwischen 14-Jährige seine erste Schülerband mit aus der Taufe. Fun Fact: Der Trommler spielt auf allem, was irgendwie klingt – aber ein richtiges Schlagzeug hat er nicht. Deshalb wird ein gebrauchtes Trowa-Drum-Set aus Beelitz besorgt. Mit drei Mann mit dem Linienbus.

Auch das erste Rocktheater in Potsdam entsteht mit Schupke an der POS 31 (Polytechnische Oberschule) und wird in vielen Potsdamer Schulen aufgeführt.

Steinschlag im Herbst 1987 auf dem Wachtelberg in Phöben. (v.l.n.r.) Winfried Gutzeit – bg, Detlef Gottschling – voc, harm, Guido Schade – dr, Henryk Körbs, g, back-v, Michael Schupke – g

Kinks, Beatles, CCR, Clapton – die Band covert, wonach das Publikum gern tanzt. Geprobt wird in einem Keller im Potsdamer Stadtteil Zentrum-Ost. Erste eigene Titel entstehen. Der Jugendclub unterstützt die jungen Musiker. Schließlich absolvieren sie die vorgeschriebene staatliche Einstufung und dürfen nun auf die Bühne. Umzug zuerst in den Probenkeller vom Klubhaus „Lindenpark“, später in den Musikantenclub „An der Vorderkappe“. Fast nebenbei läuft Michael Schupkes Berufsausbildung zum Koch – aber die Konzerte mit „Galaxo“, „Breathering“, „Garfield“ und schließlich „Steinschlag“ bestimmen zunehmend sein Leben. Anstatt an Kochtöpfen, steht er auf der Bühne und kümmert sich im Musikantenclub vor allem um Bands aus Potsdam und darüber hinaus.

70 Konzerte im Jahr
Detlef Gottschling schließt seine Schlosser-Lehre mit Abitur ab, fängt an, Landtechnik zu studieren, wird auf Umwegen an der Amerikanistik/Anglistik der Humboldt-Universität Englisch-Deutsch-Lehrer, hängt die Anstellung in der Volksbildung nach zwei Jahren an den Nagel und wird Journalist. Und wieder ruft die Musik: Als Mitgründer der Band „Steinschlag“ stürzt er sich in ein großes Abenteuer. Entgegen der staatlichen Festlegung spielt die Band einhundert Prozent „Westmusik“ – und zwar ausschließlich von den Rolling Stones. Das Publikum lechzt danach, so dass bald 70 Konzerte im Jahr im Kalender stehen. Rostock, Berlin, Potsdam, Magdeburg, Cottbus, Eisenhüttenstadt, Leipzig, Zwickau, Röderau, Dessau und schließlich eine 14-tägige Tournee in die Sowjetunion zu den deutschen Arbeitern auf den Baustellen der Erdgastrasse Druschba. Danach folgen Studioaufnahmen und Rundfunkausstrahlungen eigener Songs sowie die Vorbereitungen für eine Schallplatte beim staatlichen Label Amiga. Doch nun fällt die Mauer – und alles ist anders.

Fotoshooting in den Schönemann-Bergen in Werder (Havel). Oben, von links: Schlagzeuger Frank Kösling, Gitarrist Martin Thiel, Bassist Winfried Gutzeit, Sänger Detlef Gottschling. Unten: Gitarrist Michael Schupke. Foto: Steinschlag

Metamorphose
Das Konzertpublikum geht nun zu den echten Rolling Stones – und nicht nur zu denen. Viele DDR-Bands verlieren ihren Sinn und ihre Fans. „Steinschlag“ erholt sich Anfang der 1990er wieder etwas, Musiker wechseln – der Stamm bleibt. Doch der Anschluss an die alten Zeiten ist nicht mehr möglich. Zahlreiche Spielstätten wie Jugendclubs und Konzertsäle bleiben zum Teil für immer geschlossen. Niemand trampt mehr an den Wochenenden hunderte Kilometer, um seine Lieblingsbands zu erleben. So ist im Herbst 2004 die Zeit reif für ein paralleles Session-Projekt – die „River Blues Band“. Die Noch-„Steinschläger“ Sänger Detlef Gottschling, Gitarrist Michael Schupke, Schlagzeuger Thomas Warneke und Gitarrist Michael Kunczak orientieren sich neu, finden als Band den historischen Dampfer „Gustav“ und dessen enthusiastische Crew als neue Stamm-Spielstätte in Potsdam. Bald kommen neue Klangfarben Pianist Ludger Wirsig und Bassist Peter Gläser, aktuell Bassist Volkmar Große hinzu.

Die „River Blues Band“ hat bei ihren Konzerten auf dem Wasser und an Land immer wieder Gastmusiker an Bord: Schlagzeuger Friedemann Schulz, Saxophonist Sebastian Pietsch, Schlagzeuger und Posaunist Andreas Otto, Gitarrist und Gitarrenbauer Helmut Kreuchwig, Schlagzeuger Frank Winkelmann, Sängerin Anna Hilbert, Sänger Frank „Gala“ Gahler, Gitarrist Martin Thiel. Das Repertoire: ein Querschnitt durch die britische und amerikanische Rock- und Blues-Geschichte.

Gladhouse Cottbus: „Steinschlag“ spielt am 22. September 1995 als Vorband für den US-Bluesgitarristen Luther Allison. Foto: Steinschlag

Produktion in Babelsberg
Doch: Die alten eigenen Ideen, Melodien, Riffs und Texte sind immer noch im Kopf von Detlef Gottschling und Michael Schupke. Ein Duo, dass sich nach fast 40 Jahren gemeinsamer Bühnenerfahrung fast wortlos versteht. So steht gemeinsam mit Schlagzeuger Thomas Warneke im Jahr 2025 fest: Wir machen jetzt endlich die Tonaufnahmen – und zwar im Babelsberger Studio von Andreas Schulte. Und dann schauen wir, was dabei herauskommt. Aus zunächst vier oder fünf englischsprachigen Stücken werden bald darauf 13 Titel, und schnell wird klar, dass diese perfekt auf eine CD sowie auf eine Vinyl-Schallplatte passen. Texter und Sänger Detlef Gottschling: „Wir haben Jahrzehnte nur englischsprachige Songs gespielt. Das prägt. Ich habe Deutsch und Englisch studiert – für mich passt Letzteres im Blues und im Rock’n’Roll besser.“

Who Is Who
Und wieder ist das Interesse von Musiker-Kollegen geweckt, mit dabei zu sein. Neben Detlef Gottschling, Michael Schupke, Thomas Warneke und Volkmar Große sowie Produzent und Pianist Andreas Schulte selbst geben sich Trompeter Ronald „Arnold“ Hänsch, Gitarrist und Violinist Henryk Körbs, Gitarrist Martin Thiel, Saxophonist und Fagottist Sebastian Pietsch, Schlagzeuger Igor Prjahin, Pianist und Organist Peter „Eiche“ Eichstädt sowie Sängerin Martha During die Klinke im Studio in die Hand. Jede Woche ein paar Stunden, wie es zeitlich passt – und schon ist Frühjahr 2026. Wie es zu dieser Supergroup kam – das seht Ihr hier auf YouTube.

Nun liegt das Album mit der bedeutungsvollen Wortspielerei „Heart Life“ im Titel auf dem Tisch – mit dreizehn Songs, die allesamt Erfahrungen, die Liebe, etwas Weisheit – eben das Leben – beschreiben. 

Worum geht es auf dem Album?

(Caught In The) „Night Train“
Das Stück „Night Train“ ist noch relativ jung: Es entstand im Jahr 2021. Der Text stammt von Detlef Gottschling, die Komposition von Michael Schupke. In zwei Minuten und 42 Sekunden erzählt der Song die kurze Geschichte eines Bahnreisenden, der sinnbildlich durch die Nacht fährt – in der Hoffnung, bald wieder das Licht und sonnigere Tage zu erreichen.
Wie das Entstehungsjahr vermuten lässt, dürften die Lockdowns während der Corona-Pandemie den Anstoß zu diesem Lied gegeben haben. Damals war es nicht möglich, gemeinsam ins Studio zu gehen oder gar auf einer Bühne zu stehen. Also fand man andere Wege: Gitarrist Michael Schupke und Sänger Detlef Gottschling produzierten den Song gemeinsam mit Schlagzeuger Thomas Warneke, Organist Peter Eichstädt, Bassist Volkmar Große, Pianist Andreas Schulte, Saxophonist Sebastian Pietsch und Background-Sängerin Martha During – zu großen Teilen im Home-Recording. Den letzten Schliff erhielt der Nachtzug schließlich im Jahr 2025 durch Produzent Andreas Schulte in Babelsberg im Tonstudio.
Das Lied lebt von einer spannungsvollen Dynamik. Sein Rhythmus greift das gleichmäßige Rattern eines fahrenden Zuges auf, während die Musik immer wieder nach vorn drängt. In seiner gebotenen Kürze hinterlässt „Night Train“ ein optimistisches Gefühl – ja, Zuversicht. Auffällig ist, wie sehr der Song seine Bedeutung bis in die Gegenwart trägt und offenbar nichts von seiner Aktualität verloren hat.
Muss man ihn politisch verstehen? Das bleibt jeder Hörerin und jedem Hörer selbst überlassen.

„Happy (Ride Ride)“
Mit dem Song „Happy“ nehmen die beiden Autoren ihr Publikum mit auf ein musikalisches Roadmovie. Der Untertitel „Ride Ride“ weckt Bilder von endlosen Straßen, weitem Himmel und dem Gefühl, immer weiterfahren zu können. Sind es Motorradfahrer, die irgendwo in den USA hundert Meilen geradeaus unterwegs sind und dabei ein Stück grenzenloser Freiheit erleben?
Vielleicht. Doch „Happy“ lässt sich ebenso als Ruf nach Unabhängigkeit und Selbstbestimmung verstehen – gerade in einer Zeit, in der das Alleinsein für viele Menschen zum Alltag geworden ist. Der Song nimmt den pulsierenden Rhythmus der Motoren auf und könnte durchaus zur Hymne für Biker werden. Für Individualisten ist er es allemal.
Das Duo Michael Schupke und Detlef Gottschling setzt dabei auf eine reduzierte Besetzung: Schlagzeuger Thomas Warneke, Organist Andreas Schulte – der zugleich den Bass beisteuert – sowie Martha During mit ihren Backing-Vocals. Ihre Stimme verleiht dem Refrain zusätzliche Weite und lässt ihn geradezu abheben.

„Rhythm & Blues“
Mit „Rhythm & Blues“ schaltet das Autorenduo das große Kino ein. Der musikalische Szenenwechsel führt nach New Orleans. Begleitet wird die Reise von Schlagzeuger Igor Prjahin, Pianist Andreas Schulte und vor allem vom Jazz-Trompeter Ronald „Arnold“ Hänsch. Wieder mit dabei: Martha During in den Backing-Vocals.
Die Geschichte ist schnell erzählt: Ein Musiker verliert alles. Was ihm bleibt, ist der Rhythm and Blues. Immerhin hat er es nicht versäumt, die Welt zu sehen, vieles auszuprobieren und auch bei den Frauen sein Glück zu suchen. Der Klassiker eben.
Das Stück entstand einst im Jahr 1988 und kommt entsprechend klassisch daher – als geradlinige Bluesnummer. Doch die Bridge hält kompositorische Überraschungen bereit. Vor allem der markante Trompetenpart hebt den Song über die vertrauten Bahnen eines eingängigen Zwölf-Takte-Blues hinaus. So bleibt die Melodie im Ohr – wie eine nächtliche Straßenparade irgendwo zwischen Bourbon Street und Mississippi.

„Same Old Game“
Ziemlich wütend kommt das Stück „Same Old Game“ daher. Da ist einer, der nicht länger all das denken, lieben, kaufen, sehen und hören will, was ihn bisher begleitet – oder auch aufgeregt – hat. Doch was will er stattdessen?
Schnell muss er erkennen, dass sich hinter vielen Veränderungen am Ende doch immer wieder dasselbe alte Spiel verbirgt. Diese Einsicht kann helfen, besser mit dem Leben zurechtzukommen und sich mit der einen oder anderen unvermeidlichen Sache zu arrangieren.
Der Zorn des Songs ist sowohl im Gesang als auch in der Instrumentierung deutlich zu spüren. In einer kompakten Besetzung aus Gesang, Mundharmonika, Gitarre, Schlagzeug, Bass, Orgel und Background-Gesang entsteht ein vier Minuten und 24 Sekunden langes Stück, das wie eine kleine Abrechnung mit dem bisher Erlebten wirkt.
Doch am Ende steht nicht nur Frust. Die Auflösung lautet: gemeinsam den Neustartknopf drücken – und zusammen weiterspielen.
Na also.

„New And Old“
Was wäre ein solches Album ohne einen Knaller, ohne einen echten Rock’n’Roll?
Mit „New and Old“ gibt es eine heftige, temporeiche und schnörkellose Abrechnung mit dem Alten und dem Neuen. Wen wundert es da, wenn auch von ganz neuen Tricks die Rede ist? Manchmal braucht es eben einen besonderen Weg, um weiterzukommen – oder um wieder Feuer in eine Beziehung zu bringen.
Warum auch nicht?
Geradlinig und mit ordentlich Druck geht die Band zur Sache. Ein Song wie gemacht für „Uhrwerk-Trommler“ Igor Prjahin: präzise, treibend und ohne unnötige Umwege.

„Water And Wind“
Das wohl gefühlvollste Stück des Albums ist „Water and Wind“. Die Ballade ist weit mehr als ein bloßer „Schmachtfetzen“, denn die Musiker ziehen hier klangliche Register, die auf dem Album bislang nicht zu hören waren.
Da ist zunächst die von Michael Schupke gespielte Dobro. Mit ihrem warmen, schwebenden Klang verleiht sie dem Stück eine besondere Tiefe und scheint die Seele der Melodie unmittelbar hörbar zu machen.
Noch überraschender ist jedoch der Einsatz eines Fagotts. Eigentlich kennt man dieses Instrument vor allem aus der klassischen Kammermusik oder aus großen Orchestern. Hier bringt es genau jene dunkle Wärme ein, die dieses Liebeslied prägt und ihm eine ungewöhnliche Farbe verleiht.
Sebastian Pietsch, der auf anderen Songs mit verschiedenen Saxophonen zu hören ist, zeigt hier, wie eng er mit diesem imposanten Holzblasinstrument verbunden ist. Das Fagott klingt nicht wie ein musikalischer Fremdkörper, sondern fügt sich selbstverständlich in das Arrangement ein – fast so, als hätte es schon immer zum Blues gehört.
Eine (Sommer-) Ballade zum Dahinschmelzen.

„250 Horses“ (Für das Dampfschiff Gustav)
Immerhin 250 Pferdestärken treiben das historische Potsdamer Dampfschiff „Gustav“ an. Der mehr als hundert Jahre alte Dampfer ist seit über zwei Jahrzehnten die beliebteste Spielstätte der River Blues Band. Kein Wunder also, dass die Band ihm nun mit „250 Horses“ ein musikalisches Denkmal gesetzt hat.
Das Stück kommt in klassischer Bluesmanier, mit reduzierter Besetzung und in der gebotenen Kürze von etwas mehr als drei Minuten daher. Dennoch steckt in ihm viel von dem, was den „Gustav“ ausmacht: Kraft, Beständigkeit und die besondere Atmosphäre einer Fahrt über die Potsdamer Gewässer.
„250 Horses“ gehört zum festen Repertoire bei den Live-Auftritten der Band. Besser lässt sich das alte, zuverlässige Eisen namens „Gustav“ kaum ehren.

„On The Radio“
Radiomacher wird dieser Song freuen: „On the Radio“ erzählt von einer Partnerin, die offenbar nicht mehr wahrnimmt, was tagtäglich um sie herum geschieht. Stattdessen fragt sie immer wieder, was es eigentlich Neues gibt.
Doch Neuigkeiten finden nicht nur draußen in der großen, weiten Welt statt. Auch in einer Beziehung verändert sich vieles – manchmal leise und fast unbemerkt. Inzwischen scheint sie selbst diese Veränderungen nicht mehr wahrzunehmen.
Also beschließt ihr Mann, einen Song darüber zu schreiben. Vielleicht wird er ja im Radio gespielt. Und vielleicht erfährt sie dann – wenn sie zuhört – wieder etwas Neues von ihm.
Das Lied wird von der Hoffnung getragen, dass die Beziehung auf diesem ungewöhnlichen Weg wieder geheilt werden könnte. Die letzte Zeile verrät es: Sie versucht es tatsächlich. Unten am See sitzt sie und hört Radio.
In der Komposition schimmern Anklänge an Western und Country durch. In der Produktion greift die Band jedoch zu Stilmitteln, die dem Stück neben seiner Seele auch eine ordentliche Portion Wucht verleihen. Vor dem inneren Auge entsteht das Bild einer Marching Band: Marschtrommel, Posaune, Tuba, Saxophon, Fagott und Trompeten reihen sich aneinander, dazu Gitarren und Gesang.
Der Song geht schnell ins Ohr – doch er lässt einen nicht so schnell wieder los. Denn hinter seiner eingängigen Melodie verbirgt sich eine nachdenkliche Geschichte.
Und das soll wohl auch so sein.

„Roll On“
Wenn die Adler nicht mehr schreien, wenn Mädchen nicht mehr lügen, wenn sogar Geister sterben, wenn der Wind die Mühlen nicht mehr dreht und der Regen den Berg hinaufkriecht – dann sollte man lieber weiterziehen.
„Roll On“ entwirft eine düstere, beinahe auf den Kopf gestellte Vorstellung von der Welt. Die Melodie jedoch klingt überraschend leicht und optimistisch. Gerade dieser Kontrast verleiht dem Song seinen besonderen Reiz.
Das Stück aus der Feder von Detlef Gottschling hat seinen Platz auf der B-Seite des River-Blues-Band-Albums „Heart Life“ gefunden. In kleiner Besetzung mit Gitarren, Mundharmonika, Schlagzeug, Bass, Orgel und Begleitgesang entsteht ein harmonischer, fast heiter wirkender Song – mit einer Botschaft, die durchaus zum Nachdenken anregt.
„Roll On“ lädt zum Mitsingen ein. Der Refrain prägt sich schnell ein. Und wie so mancher gute Rocksong könnte das Stück sogar zum Tanzen auffordern.
Warum auch nicht?

„Witches And Wizards“
Kirchenglocken läuten im Tal. Schwerer Nebel zieht durch den Wald. Hänsel und Gretel sind unterwegs.
Das Leben ist oft wie ein Märchen: Mädchen treffen Jungs. Sie bringen ihnen das Tanzen bei. Später kommt das Verlangen hinzu. Die Jungs spielen mit den Mädchen. Manche Mädchen werden zu Hexen, manche Jungs zu Zauberern. Und nicht selten braucht es einen Zauberspruch, um sich gegenseitig zu retten.
Diese Parallelen zum wirklichen Leben greift der Song „Witches and Wizards“ auf. Abgerundet wird die Geschichte durch die Mahnung, dass das Leben eben kein Märchen ist – und längst nicht alles gut ausgehen muss.
Im Studio sind wieder Detlef Gottschling, Michael Schupke, Thomas Warneke und Volkmar Große aus der Stammbesetzung der River Blues Band dabei. Andreas Schulte trägt mit Piano und einer tief und schwer klingenden Kirchenorgel ebenso zur bedrohlichen Atmosphäre bei wie Background-Sängerin Martha During.
Man kann sich gut vorstellen, dass „Witches and Wizards“ besonders zu Halloween oder in der Walpurgisnacht gern gespielt und gehört wird.
(Ein Gruß an Radio Brocken.)

„Happy Hour“
Zwei Drinks für einen, zwei Autos für eines, vielleicht zwei Mädchen für eines – oder gar zwei Kriege für einen?
Wie weit soll die Happy Hour noch gehen?
Was erwarten wir eigentlich von einer Happy Hour? Wollen wir sie immer und überall einfordern? Und können wir das überhaupt?
Der Song „Happy Hour“ rechnet mit leeren Versprechungen ab und warnt vor der Gefahr einer späten Ernüchterung. Seine apokalyptisch wirkenden Bilder führen uns in den Ballsaal der „Titanic“, durch steril glänzende Einkaufstempel und auf einsame Barhocker. Immer wieder schwingt die Enttäuschung mit, die in einer Welt grenzenloser Angebote offenbar schon vorprogrammiert ist.
Hier gelingt es dem Duo Michael Schupke und Detlef Gottschling, Musik und Text in einen spannenden Gegensatz zu setzen. Die Melodie klingt eher heiter und lädt zum Mitsummen ein, während der Text eine deutlich düsterere Welt zeichnet.
Der tiefere Sinn erschließt sich oft erst beim zweiten Hören.
In der Bridge setzt Gastmusiker Martin Thiel mit einem kraftvollen Gitarrensolo ein. Es wirkt wie ein kurzer Ruck – und holt die Zuhörer aus der scheinbar unbeschwerten Happy Hour zurück in die Realität.

„Distance“
Bei „Distance“ greifen Michael Schupke und Detlef Gottschling tief in die Mottenkiste: Eine erste Version des Songs nahmen sie bereits im Jahr 1990 auf. Nun wurde das Stück vollständig überarbeitet und musikalisch in die Gegenwart geholt.
Unerhörtes Bemühen, unruhige Nächte, Überheblichkeit, Sehnsucht, Genusssucht, Abkehr und unerfülltes Glück – was fehlt hier eigentlich noch?
Erfahrungen und Gefühle, die wohl fast jeder Mensch irgendwann einmal durchlebt hat, finden sich in diesem Lied wieder. „Distance“ erzählt von Nähe und Entfernung, von Verlangen und Enttäuschung, von dem Wunsch, etwas festzuhalten, das sich längst zu entfernen beginnt.
Zwei Instrumente prägen den Klang besonders: die Dobro von Michael Schupke und die Geige von Henryk Körbs. Ihr Zusammenspiel verbindet rauere, fast schneidende Klänge mit zarten, empfindsamen Momenten. Härte und Zerbrechlichkeit liegen dabei dicht beieinander.
Der Song zeigt erneut den Ideenreichtum der beiden Songschreiber und bewegt sich zwischen rockiger Bluesnummer und gefühlvoller Ballade.

„River Mood“
So könnte es abends im Mississippi-Delta klingen: Unsichtbares Getier erfüllt die Luft. In der Ferne nähert sich ein Schaufelraddampfer, dann erklingt eine Schiffsglocke. Über dem schwarzen Wasser liegt ein tiefes, bedrohliches Dröhnen.
Was geschieht in dieser schwülen Nacht?
Die Lap-Steel-Gitarre von Michael Schupke erzeugt sofort das Gefühl des amerikanischen Südens. Ihre lang gezogenen Töne scheinen über dem dunklen Fluss zu schweben. Die klagende Mundharmonika von Detlef Gottschling vervollständigt die Szenerie – als würde irgendwo am Ufer ein einsamer Musiker gegen die Geräusche der Nacht anspielen.
„River Mood“ ist vielleicht das experimentellste und zugleich eines der atmosphärisch dichtesten Stücke des Albums. Es beschließt „Heart Life“ und bringt noch einmal jenes Gefühl zum Ausdruck, das die River Blues Band seit vielen Jahren trägt: die Liebe zum Blues, zur musikalischen Reise und zur ständigen Weiterentwicklung.
Blues at its best.

Henry Labarthe

Hören, kaufen, bestellen …

Wie und wo kann man das Album bekommen und hören?
Einfach bestellen hier bei Amazon
oder auf den einschlägigen Online-Plattformen (Spotify, Apple Music & Co.):
HIER KLICKEN

Kontakt und Redaktionelle Verantwortung

Kontakt zur „River Blues Band“

Buchungsanfragen richten Sie bitte an:

E-Mail: info@riverbluesband.de

Telefon/WhatsApp: +49 173 68 73 937 

Social Media
Facebook.com/riverbluesband
Instagram.com/riverbluesband
YouTube.com/@riverbluesband

Impressum

Michael Schupke
Göhlsdorfer Straße 17
14550 Groß Kreutz

E-Mail: info@riverbluesband.de